Pharmaziepraktikum


in der Nordring Apotheke

Während des Pharmaziestudiums kommen Erfahrungen aus dem Apothekenalltag häufig zu kurz und so ist gerade der Beginn des mindestens halbjährigen Pharmaziepraktikums durch viele neue Informationen und Arbeitsabläufe gekennzeichnet. Um allen InteressentInnen einen kleinen Überblick zu verschaffen, stellen wir die für uns wichtigsten Aspekte kurz vor.

Rezeptur

Eine Rezeptur ist eine individuelle Einzelanfertigung, die nicht im Voraus hergestellt wird. Erst mit der Bestellung durch die Kundin / den Kunden, ggf. durch die Einreichung einer ärztlichen Verordnung, wird mit der Herstellung der Rezeptur begonnen.

Bevor eine Rezeptur angefertigt werden kann, muss eine sogenannte Plausibilitätsprüfung durchgeführt werden. Dabei werden u.a. die Kompatibilität der einzelnen Bestandteile zueinander, die Dosierung des Arzneistoffes in der üblichen therapeutischen Konzentration, sowie die Unbedenklichkeit des Arzneistoffes geprüft. Bei Unklarheiten erfolgt die Rücksprache mit der Ärztin / dem Arzt.

Nachdem die Arbeitsfläche und –geräte desinfiziert wurden, kann mit der Anfertigung begonnen werden. Üblicherweise werden in unserer Apotheke Salben, Cremes, Lösungen und Kapseln hergestellt. Aber auch andere Arzneiformen kommen gelegentlich vor.

Als unterstützendes Arbeitsgerät verwenden wir für die meisten Cremes und Salben eine Rührmaschine der Firma Wepa. Hier gilt in der Anfertigung das sogenannte Sandwich-Prinzip. Das bedeutet, dass zuerst ca. die Hälfte der Grundlage in das Abgabegefäß, auch Kruke genannt, vorgelegt wird. Dann erfolgt die Zugabe der Wirkstoffe und zum Schluss wird mit der Restmenge der Grundlage aufgefüllt. Das Verrühren übernimmt nun die Maschine. Alle anderen Darreichungsformen werden weiterhin klassisch per Hand angefertigt.

Über den gesamten Herstellungsprozess werden Vorgehensweise, Einwaagen und Inprozesskontrollen in einem Herstellungsprotokoll dokumentiert.

Abschließend wird jedes Abgabegefäß mit dem individuell beschrifteten Rezepturetikett und ggf. Gefahrenhinweisen versehen. Zu den vorgeschriebenen Angaben gehören u.a. Patientenname, Bestandteile der Rezeptur, Herstellungs- und Verfallsdatum.

Bei der Preisberechnung helfen entweder ein Computerprogramm oder die Hilfstaxe.

Während der Abgabe der Rezeptur an die Kundin / den Kunden sollten unbedingt die Dosierung, die Benutzung des Abgabegefäßes und die Lagerung besprochen werden.

Prüfung von Fertigarzneimitteln

Fertigarzneimittel sind laut § 12 ApoBetrO regelmäßig stichprobenartig zu prüfen. Dabei werden u.a. auf die richtige Beschriftung der Blister, identische Bezeichnung der Charge und des Verwendbarkeitsdatums auf dem Umkarton und des Blisters, sowie die Übereinstimmung der Stückanzahl geachtet. Jede Prüfung wird ordnungsgemäß in einem Prüfprotokoll dokumentiert.

Bei einem begründeten Verdacht eines vom Hersteller verursachten gesundheitsgefährdenden Qualitätsmangels wird unverzüglich die zuständige Behörde informiert. Zeitgleich werden der Hersteller und die Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker über den Sachverhalt informiert.
Bei anderen Auffälligkeiten reicht es aus, das Medikament an die Arzneimittelkommission zu schicken. Dort erfolgt eine genauere Prüfung im Zentrallaboratorium.

Unser Tipp: Eine Fertigarzneimittelprüfung nach Indikationsgebieten hilft dabei, sich genauer mit dem jeweiligen Thema auseinander zu setzen.

Rezeptformulare

Am häufigsten werden in der Apotheke Rezepte von gesetzlich versicherten PatientenInnen eingereicht. Diese rosafarbenen Kassenrezepte enthalten neben allen Angaben der Versicherten / des Versicherten auch Angaben der verordnenden Ärztin / des verordnenden Arztes inklusive Arztstempel und Unterschrift, sowie die abzugebenden Arzneimittel. Ein Kassenrezept hat eine Gültigkeit von einem Monat. In der Regel ist jeder kassenversicherte PatientIn zuzahlungspflichtig. Für sie / ihn bedeutet dies, dass pro verordnetem Medikament eine Zuzahlung in Höhe von 10% des Arzneimittelpreises, dabei aber mindestens 5€ bis maximal 10€ zu leisten sind. Alle Zuzahlungen werden von der Apotheke an die Krankenkasse weitergeleitet. Zuzahlungsbefreit sind prinzipiell Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und Schwangere im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge. Bei Überschreitung der Belastungsgrenze von 2% des Bruttojahreseinkommens, bzw. 1% für chronisch Erkrankte, kann jede / jeder Versicherte bei ihrer / seiner Krankenkasse eine Befreiung beantragen.

Die zweithäufigste Rezeptart ist das Privatrezept. Es wird vom Arzt für jeden privatversicherten PatientenIn ausgestellt. Im Gegensatz zu den Kassenrezepten hat es eine Gültigkeitsdauer von drei Monaten. Die äußere Form des Rezeptes ist nicht vorgeschrieben.

Das sogenannte grüne Rezept erhalten KassenpatientenInnen für die Medikamente, die von ihrer Krankenkasse nicht finanziert werden.

Eine Spezialform ist das Betäubungsmittelrezept, auch BtM-Rezept genannt. Das BtM-Rezept ist ein Rezept mit zwei Durchschlägen, von dem das Original der Apotheke zur Abrechnung und der erste Durchschlag der Apotheke als Abgabenachweis dienen. Der zweite Durchschlag verbleibt in der Arztpraxis. Die Gültigkeit der Verordnung beträgt sieben Tage. Beim BtM-Rezept wird nicht nach Kassen- oder Privatpatient unterschieden.

Verhaltensregeln im Handverkauf

Die Apotheke ist ein Dienstleistungsunternehmen der besonderen Art. KundenInnen, die eine Apotheke betreten sind in der Regel krank oder waren es und benötigen für ihre Genesung die Hilfe der Angestellten. Daher gelten neben den üblichen Verhaltensweisen, z.B. keine Privatgespräche in der Offizin zu führen und eine offene und gerade Körperhaltung mit Blickkontakt im Verkaufs- und Beratungsgespräch, besondere Regeln.

Im Beratungsgespräch muss sehr genau ermittelt werden, welche Beschwerden und Wünsche die Kundin / der Kunde hat. Nur so ist es möglich, das für sie / ihn richtige Arzneimittel zu finden. Um die Anwendung und Art des Medikaments zu erklären sollten keine Fachbegriffe verwendet werden. In jedem Fall muss auf Diskretion geachtet werden.

Wird ein Privatrezept vorgelegt, sollte der Kundin/ dem Kunden immer eine Rezeptkopie für ihre / seine Unterlagen angeboten werden. Ist bei einem Kassenrezept die Angabe der Befreiung nicht eindeutig erkennbar, muss nach einem Befreiungsausweis gefragt werden. Diese Information wird bei einer vorhandenen Kundenkarte zeitgleich in die Kundendatei eingetragen. Damit entfällt beim nächsten Besuch des Kunden eine erneute Nachfrage. Die jeweilige Dosierung und Anwendungsdauer des Arzneimittels muss immer erklärt werden. Zum Schluss wird jeder Kundin / jedem Kunde ein Kassenbon angeboten.

Im Übrigen gilt auch im Handverkauf: Jede Kollegin und jeder Kollege ist sehr gerne zur Hilfe bereit.

Gebräuchliche Abkürzungen in der Rezeptur

In den Verordnungen für Rezepturen finden sich oftmals Abkürzungen wieder, die für den Ungeübten nicht oder nur schwer verständlich sind. Die gebräuchlichsten sind in der folgenden Tabelle erklärt.

AbkürzungLateinische BezeichnungLateinische Bezeichnung
aaana partes aequaleszu gleichen Teilen
ad man. med.ad manus medicizu Händen des Arztes
ad us. ext.ad usum externumzum äußerlichen Gebrauch
concis.concisusgeschnitten
D.S.da, signagib und bezeichne
dil.dilutusverdünnt
gtt.guttaeTropfen
m.d.s.misce, da, signamische, gib und bezeichne
p.c.post cenamnach dem Essen
pro inf.pro infantibusfür Kinder
q.s.quantum satissoviel wie nötig
Rp.recipeNimm!
sol.solutioLösung
Ungt.unguentumSalbe